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Kleine Regelkunde

Die Regeln des Rollstuhlfechtens sind analog denen des Fechtens Nichtbehinderter. Es wird mit Florett, Degen und Säbel gefochten. Bei Florett und Degen kann nur mit der Spitze, beim Säbel mit der ganzen Klinge ein Treffer gesetzt werden.
Beim Degenfechten zählt der Treffer, der zuerst gesetzt wurde. Fallen zwei Treffer mit weniger als 1/25 Sekunde Zeitunterschied gibt es einen „Doppeltreffer“, beide Fechter erhalten einen Punkt.
Beim Fechten mit Florett und Säbel gilt das sogenannte Angriffsrecht. Nur der Fechter, der zuerst angreift kann einen Punkt setzen, der Gegner muss erst abwehren („parieren“), bevor er punkten kann.



Sitzposition der Fechter zueinander
Die Fechter bewegen sich nicht – wie allgemein immer wieder vermutet wird – mit dem Rollstuhl über die Fechtbahn, sondern die Rollstühle sind in „Fechtgestellen“ verankert.
Das Gestell besteht aus Schienen, in die die Fechter mit ihren Rollstühlen fahren. Die Schienen der beiden Fechter sind mit einer Querstange miteinander verbunden. Der Winkel zwischen Querstange und den Schiene beträgt 110°. Je nachdem, ob sich zwei Rechtshänder, zwei Linkshänder oder je ein Rechts- und ein Linkshänder gegenübersitzen, befinden sich die Gegner auf den gegenüberliegenden oder gleichen Seiten der Querstange.

Abstand der Fechter
Der Abstand zwischen den Fechtern wird aufgrund der Armlänge bestimmt. Bei Degen und Säbel wird der Abstand so gewählt, dass der Fechter bei ausgestrecktem Arm und aufrechtem Sitz mit der Spitze seiner Waffe gerade den Ellenbogen des Gegners berührt, der seinen Arm im rechten Winkel in Richtung des gegnerischen Fechters hält.
Beim Florett wird die Distanz etwas kleiner gewählt. Hier gilt nicht der Ellenbogen, sondern die Ellenbogenbeuge. Mit Hilfe der längenverstellbaren Querstange des Fechtgestells kann der Abstand entsprechend eingestellt werden. Bei zwei Fechtern mit unterschiedlicher Armlänge darf der Fechter mit dem kürzeren Arm eine Distanz wählen, die im Bereich zwischen seinem Abstand und dem Abstand seines Gegners liegt.

Gefechtsdauer und Trefferzahl
Bei allen drei Waffen wird bei einem Wettkampf zuerst in Runden bis auf fünf Treffer gefochten. Die maximale reine Kampfzeit beträgt drei Minuten, außer ein Fechter erreicht vorher fünf Treffer. Steht das Gefecht nach dieser Zeit unentschieden, so wird ausgelost, welcher Fechter gewonnen hat, wenn innerhalb einer Kampfverlängerung von einer Minute kein weiterer Treffer fällt, der das Gefecht beendet.
Nach den Runden folgt in der Regel die Direktausscheidung und die Finalgefechte, in denen auf fünfzehn Treffer gefochten wird. Die maximale Kampfzeit beträgt hier dreimal drei Minuten mit einer je einminütigen Pause dazwischen. Steht das Gefecht nach Zeitablauf unentschieden, so wird ebenso wie bei den Rundengefechten verfahren. Fallen im Säbel in der Direktausscheidung acht Treffer im ersten Drittel, wird danach sofort eine Minute Pause eingelegt.

Trefffläche
Im Florettfechten gilt als gültiger Bereich der Rumpf, mit dem Säbel gehören außer dem Rumpf noch Arme und Maske dazu. Beim Fechten mit dem Degen ist nicht – wie bei den Nichtbehinderten üblich – der gesamte Körper Trefffläche, die Beine werden hier ausgeschlossen. Die Treffer können also, wie beim Säbel, nur oberhalb der Hüfte gesetzt werden. Zur Trefferanzeige dient bei Florett und Säbel jeweils eine leitende Brokatweste. Beim Degen wird der Bereich unterhalb der Hüfte durch eine geerdete Brokatdecke abgedeckt.

Fechtstellung bei Beginn
Da die Fechter im Gegensatz zu den nichtbehinderten Fechtern zu Beginn einen Abstand haben, der ihnen sofort einen Treffer ermöglicht, ist die Ausgangssituation reglementiert. Nach dem Kommando „FERTIG“ des Obmanns, darf keiner der beiden Fechter seine Klinge mehr bewegen. Als Ausgangsstellung dürfen bei Florett und Degen die Klingen nicht über die Glocke des Gegners hinausragen, beim Säbel dürfen sich die Klingen nicht kreuzen. Ebenso ist ein Berühren der Klingen vor dem Kommando „LOS“ des Obmanns nicht erlaubt.

Verwarnungen und Strafen
Im Fechtsport wird das Fair-Play groß geschrieben. Die Regeln sind vom Weltfechtverband IWAS (International Wheelchair & Amputee Sports Federation) und der F.I.E. (Fédération Internationale d´Escrime) zusammengestellt und haben weltweit Gültigkeit. Verstößt ein Fechter während des Wettkampfes gegen diese Regeln, so wird er durch den Obmann mit einer gelben, roten oder schwarzen Karte bestraft. Die Karten haben folgende Bedeutung und Konsequenzen:

  • Gelbe Karte – Verwarnung
    bei leichten Verstößen (z.B. Materialfehler, etc.)
  • Rote Karte – Straftreffer
    bei schweren Verstößen oder anstelle der zweiten gelben Karte
  • Schwarze Karte – Ausschluss
    bei besonders gravierenden Verstößen (z.B. Unsportlichkeit, Manipulation, Doping)

Klassifizierung nach Behinderungsart und -grad
Im Prinzip darf jeder am Rollstuhlfechten teilnehmen, der durch eine dauerhafte Einschränkung Nachteile beim nichtbehinderten Fechten hat, also nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch z.B. Amputierte oder Perso¬nen mit einer Knieversteifung.
Die Einteilung der Fechter erfolgt in drei Kategorien, A, B und C nach folgenden Gesichtspunkten:

  • Klasse A:  Die Fechter besitzen noch vollständig intakte Rücken- und Bauchmuskulatur, meist sind sie noch in der Lage auf den Beinen zu stehen oder sogar zu laufen.
  • Klasse B:  Die Fechter besitzen keine vollständige Rücken- und Bauchmuskulatur mehr, haben aber keine Einschränkungen im Bereich Arme und Hände.
  • Klasse C:  Die Fechter haben auch keine vollständige Funktion von Armen und Händen aufzuweisen.

Zur exakten Einstufung wurde von einer Klassifizierungskommission ein Verfahren entwickelt, wonach durch fechtspezifische Funktionstests die Einteilung vorgenommen wird.